{"id":333,"date":"2019-09-30T09:48:02","date_gmt":"2019-09-30T08:48:02","guid":{"rendered":"https:\/\/pax-friedensdienste.de\/wordpress_d\/?p=333"},"modified":"2021-03-19T13:33:31","modified_gmt":"2021-03-19T12:33:31","slug":"erfahrungsbericht-integra-in-pristina","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pax-friedensdienste.de\/wordpress_d\/erfahrungsbericht-integra-in-pristina\/","title":{"rendered":"Erfahrungsbericht Integra in Pristina"},"content":{"rendered":"<h4>Ein bisschen Kaffeekultur Kosovo&#8230; von Djellza<\/h4>\n<p><em>Djellza war 2017\/18 mit uns f\u00fcr ihren freiwilligen Friedensdienst in Pristina und hat bei Integra gearbeitet. Hier berichtet sie von ihren Erlebnissen.&nbsp;<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-358\" src=\"https:\/\/pax-friedensdienste.de\/wordpress_d\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/3.jpg\" alt=\"\" width=\"661\" height=\"495\" srcset=\"https:\/\/pax-friedensdienste.de\/wordpress_d\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/3.jpg 661w, https:\/\/pax-friedensdienste.de\/wordpress_d\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/3-300x225.jpg 300w, https:\/\/pax-friedensdienste.de\/wordpress_d\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/3-120x90.jpg 120w\" sizes=\"auto, (max-width: 661px) 100vw, 661px\" \/><\/p>\n<p>Kaffee hat hier im Kosovo eine sehr gro\u00dfe Bedeutung. Nicht der Kaffee selbst, denn ein wenig Kaffeepulver mit ganz viel Milchschaum und viel zu viel Zucker geht auch schon als solcher durch. Nicht der Kaffee, sondern viel mehr die Aktivit\u00e4t \u201eKaffee trinken gehen\u201c ist bedeutend. Es ist eine Art Freizeitbesch\u00e4ftigung, ein Hobby. Hitzige Diskussionen \u00fcber die neusten politischen Entwicklungen, die veraltete Mentalit\u00e4t, die t\u00e4glichen Ungerechtigkeiten und Korruption oder nur simpler Smalltalk \u00fcber das Wetter mit Blick aufs Smartphone. All das geschieht beim t\u00e4glichen 1-Euro Macchiato. Beim Kaffee trinken trifft man Freund*innen, tauscht sich aus und sitzt gleichzeitig in einem sch\u00f6nen Caf\u00e9, das einen glauben l\u00e4sst man w\u00e4re gerade in einer hippen Metropole. Eben an genau einem der Orte, zu denen man als junge Erwachsene aus dem Kosovo hin m\u00f6chte. Mittlerweile habe ich mich schon sehr angepasst: Ein Kaffee am Morgen im B\u00fcro mit meiner Kollegin, ein Zweiter am Nachmittag. Wo geht man nach der Arbeit mit Freund*innen hin? Ja, genau, ins Caf\u00e9! Es ist fast 12 in der Nacht? Nicht zu sp\u00e4t f\u00fcr einen kleinen Macchiato!<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-355 size-full\" src=\"https:\/\/pax-friedensdienste.de\/wordpress_d\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/1-e1569837213714.jpg\" alt=\"\" width=\"491\" height=\"660\" srcset=\"https:\/\/pax-friedensdienste.de\/wordpress_d\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/1-e1569837213714.jpg 491w, https:\/\/pax-friedensdienste.de\/wordpress_d\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/1-e1569837213714-223x300.jpg 223w\" sizes=\"auto, (max-width: 491px) 100vw, 491px\" \/><\/p>\n<p>Am 17. Februar dieses Jahres feierte Kosovo seinen 10-ten Geburtstag. 10 Jahre Kosovo \u2013trotz vieler Probleme im Land, f\u00fcr die meisten ein positives Zeichen und ein Grund daf\u00fcr, auf eine gute Zukunft zu hoffen. Doch wie in die Zukunft schauen mit Ballast aus der Vergangenheit? Kurz nach dem Kosovokrieg 1998-1999 galten ca. 4300-4400 Personen als vermisst. Heute sind es immerhin noch 1650 Personen. Verst\u00e4ndlich, dass f\u00fcr viele Familien im Kosovo die Unabh\u00e4ngigkeit nicht viel bedeutet. Was n\u00fctzt mir ein souver\u00e4ner Staat, der es nicht schafft, meine Kinder, meine Geschwister, meine Eltern wiederzufinden? Zwanzig Jahre nach dem Krieg? \u2013 So denken viele. Sie f\u00fchlen sich allein gelassen von der Regierung und vergessen von den Menschen im Land. Um auf dieses sensible Thema aufmerksam zu machen, hat Integra in Kooperation mit dem Forum ZFD das Projekt \u201eMissing people through the eyes of camera\u201c gestartet, welches zum Ziel hat, die Angeh\u00f6rigen der Vermissten zu Wort kommen zu lassen, indem ihnen eine Plattform geboten wird, wo sie ihre Geschichte und ihre Botschaft mit Menschen teilen k\u00f6nnen. W\u00e4hrend der Interviews werden professionelle Fotos gemacht, die dann mit Untertiteln und Musik zu Videos verarbeitet und auf einem der nationalen Fernsehsender ausgestrahlt werden. Au\u00dferdem wird es dazu bald eine Ausstellung der Fotografien und ausgew\u00e4hlter Zitate im Regierungsgeb\u00e4ude geben, um direkt bei der Politik Druck auszu\u00fcben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-357\" src=\"https:\/\/pax-friedensdienste.de\/wordpress_d\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/2-1.jpg\" alt=\"\" width=\"661\" height=\"440\" srcset=\"https:\/\/pax-friedensdienste.de\/wordpress_d\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/2-1.jpg 661w, https:\/\/pax-friedensdienste.de\/wordpress_d\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/2-1-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 661px) 100vw, 661px\" \/><\/p>\n<p>Meine Rolle als Freiwillige in dem Projekt war es, die Interviewaudios zu transkribieren. Ich hatte die Familien nicht gesehen, hatte lediglich das Audiomaterial. Nur die Stimmen und dazu die Geschichten zu h\u00f6ren war nicht immer einfach. Ein paar Tage sp\u00e4ter war ich im Zuge des \u201eInternationalen Tages f\u00fcr das Recht auf Wahrheit \u00fcber schwere Menschenrechtsverletzungen\u201c auf einer Konferenz, um zu fotografieren. Nachdem die Panelist*innen gesprochen hatten, kam das Publikum zu Wort. Schlie\u00dflich wurde ein Mann aufgerufen, dessen Namen ich nicht sofort verstand, ihn aber sofort an seiner Stimme wiederkannte. Es war ein Familienvater, dessen Interview ich ein paar Tage zuvor transkribiert hatte. Er hatte im Krieg zwei S\u00f6hne verloren, die bis heute nicht wiedergefunden wurden. Er erz\u00e4hlte vor allen, dass nicht zu wissen, wo seine Kinder waren und immer mit der kleinen Hoffnung leben zu m\u00fcssen, dass sie doch noch leben, auch nach 20 Jahren, f\u00fcr ihn als Vater nicht immer einfach ist.<\/p>\n<p>Seine Kinder seien doch l\u00e4ngst tot nach immerhin 20 Jahren, sagt die Regierung zu ihm. \u201eLebend haben wir sie verloren, lebend werden wir sie suchen\u201c. Diesen Satz wiederholt er genauso wie im Interview mehrmals an diesem Tag.<\/p>\n<h3><span style=\"display: inline !important; float: none; background-color: #ffffff; color: #000000; font-family: 'Quicksand','Helvetica Neue',helvetica,arial,sans-serif; font-size: 24px; font-style: normal; font-variant: normal; font-weight: bold; letter-spacing: normal; orphans: 2; text-align: left; text-decoration: none; text-indent: 0px; text-transform: none; -webkit-text-stroke-width: 0px; white-space: normal; word-spacing: 0px;\">Hast du auch Lust einen Freiwilligendienst in Pristina zu machen? Dann <\/span><a href=\"https:\/\/pax-friedensdienste.de\/wordpress_d\/?page_id=15\">bewirb<\/a><span style=\"display: inline !important; float: none; background-color: #ffffff; color: #000000; font-family: 'Quicksand','Helvetica Neue',helvetica,arial,sans-serif; font-size: 24px; font-style: normal; font-variant: normal; font-weight: bold; letter-spacing: normal; orphans: 2; text-align: left; text-decoration: none; text-indent: 0px; text-transform: none; -webkit-text-stroke-width: 0px; white-space: normal; word-spacing: 0px;\"> dich bei uns!<\/span><\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein bisschen Kaffeekultur Kosovo&#8230; von Djellza Djellza war 2017\/18 mit uns f\u00fcr ihren freiwilligen Friedensdienst in Pristina und hat bei Integra gearbeitet. Hier berichtet sie von ihren Erlebnissen.&nbsp; Kaffee hat hier im Kosovo eine sehr gro\u00dfe Bedeutung. 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