{"id":378,"date":"2019-09-30T11:28:21","date_gmt":"2019-09-30T10:28:21","guid":{"rendered":"https:\/\/pax-friedensdienste.de\/wordpress_d\/?p=378"},"modified":"2019-10-02T12:56:48","modified_gmt":"2019-10-02T11:56:48","slug":"378","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pax-friedensdienste.de\/wordpress_d\/378\/","title":{"rendered":"Caritas und ForumZFD in Sarajevo"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Stella in Sarajevo&nbsp;<\/strong><\/h2>\n<p><em>Stella war 2017\/18 mit uns f\u00fcr ihren freiwilligen Friedensdienst in Sarajevo und hat bei der Caritas und dem ForumZFD gearbeitet. Hier berichtet sie von ihren Erlebnissen.&nbsp;<\/em><\/p>\n<p><strong>Anfang M\u00e4rz.<\/strong> Wir sitzen im Caf\u00e9 Ayna und tauschen den neuesten Klatsch und Tratsch aus. Der bosnische Kaffee auf dem Tisch vor uns verbreitet einen angenehmen Geruch. Tourist*innen schlendern durch die Stra\u00dfen der Altstadt. Manche von ihnen haben ihre Winterm\u00e4ntel schon gegen Fr\u00fchlingsjacken getauscht, die H\u00e4rtesten von ihnen tragen \u00fcberhaupt keine mehr. Eine Gro\u00dffamilie mit sechs Kindern versucht, in dem kleinen Caf\u00e9 auch noch einen Platz zu erwischen. Die Sonne scheint.<\/p>\n<p>Nachdem ich aus Berlin wieder zur\u00fcck in Sarajevo angekommen war, erwartete mich auch schon mein erster richtiger Besuch aus Deutschland. Als ich meiner Freundin so die Hotspots der Stadt zeigte und mit dem Finger mal nach rechts, mal nach links wies, um sie auf Besonderheiten aufmerksam zu machen, bemerkte ich, wie gut ich mich eigentlich mittlerweile auskannte. Wo gibt es die besten Torten, wo das g\u00fcnstigste Bier, wo hat man den besten Blick \u00fcber die Stadt und wo sollte man hingehen, wenn es mal etwas edler sein soll. Doch nicht nur die Stadt und ihre Angebote sind mir vertraut. Nein, auch die politische und gesellschaftliche Situation wird mir immer klarer. W\u00e4hrend ich vor neun Monaten nur vage wusste, was f\u00fcr Konflikte in Bosnien und Herzegovina herrschen, habe ich heute schon ein viel umfassenderes Bild. Auch das war sch\u00f6n zu erkennen.<\/p>\n<p><strong>Ostern.<\/strong> Auf dem Tisch in der Stube meiner Oma werden alle m\u00f6glichen K\u00f6stlichkeiten aufgedeckt. Obwohl mein Bauch schon bis zum Anschlag gef\u00fcllt ist, kann ich nicht widerstehen und stecke mir genussvoll eine \u201cMa\u0111arica\u201d in den Mund. Morgen wird mir meine Oma zeigen, wie man den bekannten \u201c\u0160trudle od jabuka i sira\u201d (Strudel mit Apfel- und K\u00e4sef\u00fcllung) backt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-379\" src=\"https:\/\/pax-friedensdienste.de\/wordpress_d\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/1-1.jpg\" alt=\"\" width=\"505\" height=\"379\" srcset=\"https:\/\/pax-friedensdienste.de\/wordpress_d\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/1-1.jpg 505w, https:\/\/pax-friedensdienste.de\/wordpress_d\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/1-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/pax-friedensdienste.de\/wordpress_d\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/1-1-120x90.jpg 120w\" sizes=\"auto, (max-width: 505px) 100vw, 505px\" \/><\/p>\n<p>Zur Osterzeit bin ich wieder nach Kroatien gereist, um dort erst in der Hauptstadt Zagreb Urlaub zu machen und dann schlie\u00dflich weiter in den Norden, zu meiner Oma zu fahren. Die Tage waren mal wieder gepr\u00e4gt von Essen, Essen und nochmal Essen. Dennoch war es f\u00fcr mich auch eine neue Erfahrung, da ich Ostern bisher immer nur in Deutschland gefeiert hatte. Zum Osterfr\u00fchst\u00fcck gibt es hier die Tradition, dass sich jeder ein gekochtes Ei aussucht und dieses dann gegen das Ei seines Tischnachbarn st\u00f6\u00dft. Wessen Eierschale dann noch nicht gebrochen ist, kommt eine Runde weiter und tritt gegen den N\u00e4chsten an, der noch ein heiles Ei hat. Der, der am Ende das Ei mit noch intakter Schale hat, gewinnt. Man mag es sich vielleicht schwer vorstellen, aber dieses Spiel lie\u00df den ganzen Tisch mitfiebern und in Jubel und Tr\u00e4nen ausbrechen.<\/p>\n<p><strong>Anfang April.<\/strong> Die Sonne scheint mir ins Gesicht und ich \u00e4rgere mich, dass ich meine Sonnenbrille zu Hause vergessen habe. Ich liege am Ufer des Neretva-Flusses und versuche das Mittagessen zu verdauen. Neben mir liegt mein Bruder und beobachtet den Br\u00fcckenspringer. Letzterer l\u00e4sst sich von der gro\u00dfen Br\u00fccke fallen und verschwindet mit einem Platscher im glasklaren Wasser. Es sind 23 Grad. Die B\u00e4ume sind mit wei\u00df-rosa Bl\u00fcten geschm\u00fcckt und verstr\u00f6men den Geruch von Fr\u00fchling.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-380\" src=\"https:\/\/pax-friedensdienste.de\/wordpress_d\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/3-1.jpg\" alt=\"\" width=\"359\" height=\"479\" srcset=\"https:\/\/pax-friedensdienste.de\/wordpress_d\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/3-1.jpg 359w, https:\/\/pax-friedensdienste.de\/wordpress_d\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/3-1-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 359px) 100vw, 359px\" \/><\/p>\n<p>Als n\u00e4chstes Projekt stand der Besuch meines Bruders an, der sich relativ spontan ergeben hatte. Nachdem er einen Eindruck Sarajevos und meines Lebens dort bekommen hatte, durfte ein Tagesausflug in die nahgelegene Stadt Mostar nat\u00fcrlich nicht fehlen. Wir hatten gro\u00dfes Gl\u00fcck mit dem Wetter. Anstatt drinnen mit einem hei\u00dfem Tee, sa\u00dfen wir drau\u00dfen und tranken erfrischende Cedevita. Der Fr\u00fchling begr\u00fc\u00dfte uns mit offenen Armen. Die Leute, von denen man in den Wintermonaten nicht viel gesehen hatte, trauten sich wieder auf die Stra\u00dfen. Ausgelassenes Vogelgezwitscher und vollere Stra\u00dfen stehen seitdem auf der Tagesordnung. Die ganze Stadt bekommt wieder Farbe und Leben. Den Anblick von Inliner-fahrenden Jugendlichen und gem\u00fctlich schlendernden Spazierg\u00e4ngern hatte ich schon fast vergessen. Die Tage werden l\u00e4nger und lassen die ganze Stadt endlich aus ihrem Winterschlaf erwachen.<\/p>\n<p><strong><em>8 Uhr 02.<\/em><\/strong><em> Ich blicke auf die Uhr und beschleunige meine Schritte, weil ich mal wieder zu sp\u00e4t dran bin. Aus einem mir entgegen kommenden Auto winkt mir eine Mutter l\u00e4chelnd zu. Ich winke zur\u00fcck. Das Geb\u00e4ude des Kindergartens sehe ich schon vor mir, ich habe es also gleich geschafft. Um 8 Uhr 08 stehe ich fertig umgezogen parat auf der Matte und beginne meinen Arbeitstag.<\/em><\/p>\n<p>Die ganzen Abl\u00e4ufe im Kindergarten sind mittlerweile Automatismen. Fr\u00fchst\u00fcck, Jutarnji Sastanak, Spielen, Deutschunterricht, Mittagessen, Kinder ins Bett bringen, Deutschunterricht, Pause, U\u017eina, Feierabend. Alles ist v\u00f6llige Routine und wie selbstverst\u00e4ndlich in meinen Zeitplan eingebaut. Bis jetzt gab es einen Kolleg*innen-Wechsel, zwei Kinder haben unsere Gruppe verlassen und eines ist hinzugekommen. Ansonsten ist alles beim Alten. Auf den Fluren werde ich von den \u00e4lteren Kindern immer stolz auf deutsch mit \u201cGuten Tag\u201d begr\u00fc\u00dft, was sie beim Deutschunterricht gelernt haben. Ich muss zugeben: es l\u00e4sst mich schmunzeln, wenn ich sehe, wie sie sich freuen, etwas auf Deutsch sagen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In meiner anderen Arbeitsstelle, dem Forum Ziviler Friedendienst, ging es in der letzten Zeit eher ruhiger zu. Dennoch werden ab jetzt erste Vorbereitungen f\u00fcr den Sommer getroffen, da es dort mehrere Projekte gibt, die realisiert werden. Das bedeutet viel Papierkram. Aus diesem Grund freue ich mich aber um so mehr auf den Sommer, wenn es dann soweit ist.<\/p>\n<p><strong>Vitamin D. <\/strong>Durch die Zeitumstellung werden die Tage l\u00e4nger, was einiges ver\u00e4ndert. Man kann wieder Sonne tanken und viel mehr drau\u00dfen unternehmen. Insgesamt kann ich sagen, dass die Zeit erst recht jetzt im Fr\u00fchling rasend schnell vor\u00fcber fliegt. Von dreizehn Monaten sind jetzt nur noch vier \u00fcbrig, die vor uns liegen. Ich glaube, ich habe da was nicht mitbekommen&#8230; Wo sind die ganzen vergangenen Monate hin? Ich habe so viel erlebt und doch so wenig. Dennoch steht die letzte Passage noch vor mir.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-381\" src=\"https:\/\/pax-friedensdienste.de\/wordpress_d\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/2-2.jpg\" alt=\"\" width=\"418\" height=\"428\" srcset=\"https:\/\/pax-friedensdienste.de\/wordpress_d\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/2-2.jpg 418w, https:\/\/pax-friedensdienste.de\/wordpress_d\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/2-2-293x300.jpg 293w\" sizes=\"auto, (max-width: 418px) 100vw, 418px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Hast du auch Lust einen Freiwilligendienst in Sarajevo zu machen? Dann&nbsp;<a href=\"https:\/\/pax-friedensdienste.de\/wordpress_d\/?page_id=15\">bewirb<\/a> dich bei uns!&nbsp;<\/strong><\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stella in Sarajevo&nbsp; Stella war 2017\/18 mit uns f\u00fcr ihren freiwilligen Friedensdienst in Sarajevo und hat bei der Caritas und dem ForumZFD gearbeitet. Hier berichtet sie von ihren Erlebnissen.&nbsp; Anfang M\u00e4rz. Wir sitzen im Caf\u00e9 Ayna und tauschen den neuesten Klatsch und Tratsch aus. 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