Letzte Abenteuer von Kasia aus Polen

10. August 2020 0 Von admin

Kasia war 2017/18 mit uns für ihren freiwilligen Friedensdienst in Aachen und hat mit Menschen mit Behinderung in Vinzenz-Heim Aachen gearbeitet. Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen.

Leider ist das unser letztes Treffen, aber ich verspreche, dass ich versuche, euch nicht zu langweilen.

An der Wende von Januar und Februar hatte ich die Gelegenheit an dem Aachener Karneval teilzunehmen. Der Karneval ist hier in diesen Teilen Deutschlands ganz anders als in Polen. Die letzte Phase vor dem Fasten ist “eine große Party”. Hin und wieder gab es welches Feiern, auf den die Leute feierten bis zu Ende ihrer Kräfte. Ich sah noch nie eine so integrierte Gruppe von Menschen, wie die dort. Jeder war freundlich und integriert, als ob es nicht die Deutschen gewesen wären hahaha. Am Ende Januar fuhr ich zusammen mit meinen Bewohnern und Kollegen zum Geburtstag meines Chefs, unter einem großen Zelt in eine nahe gelegene Stadt. Dort sangen die Leute kölsche Lieder, die ich nicht verstehen konnte. Ich versuchte, diesen Dialekt ein wenig zu verstehen, aber es gelingt mir noch nicht. Der Spaß war großartig. Es war mein erstes echtes Mal, wann ich mit einem Menschen, der im Rollstuhl sitzt, tanzte. Schließlich war ich erschöpft, aber das war es wert. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man ein Lächeln auf jemandes Gesicht bringen kann, etwas so Kleines. Sich geben ein bisschen Mühe, um Motivation und Energie für das Leben zu bekommen. Man muss zu bestimmten Dingen heranwachsen, um sie zu verstehen und ich denke jetzt, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

In Aachen wohne ich auch mit Piotr (der zweite Freiwilliger aus Polen) also gingen wir gemeinsam auf die Parade. Ich hatte einen Dienst in der Arbeit, deshalb begleitete ich meine Bewohner dorthin. Ich hätte nie erwartet, dass ich an einem Tag so viele Süßigkeiten bekommen würde. Umso mehr, dass jemand sie auf mich werfen würde!!! 😊 Erstaunlich. Außerdem sah für mich die ganze Stadt aus, als sie in einem Film mit Kostümen gespielt hätte. Fast jeder war verkleidet. Jeder feierte, integriert sich mit anderen oder zumindest nicht störte. Ich erwartete solche Sachen in einem so ernsten und steifen Land und dazu mit eisernen Regeln, nie! Vielleicht vergisst es das für ein paar Tage jedes Jahr? 

Jetzt warte ich auf den Tag der Abschiedsparty. Ich beginne die Vorbereitungen dafür nächste Woche. Wie immer habe ich Bedenken, ob ich alles pünktlich mache.  Es ist gut, dass ich es zusammen mit Piotr organisiere, zwei Köpfe ist nicht einer. Es passiert alles so schnell. Vor kurzem gab es Weihnachten, gefolgt von Ostern. Ein paar Reisen nach Polen und schon ist der August. Ich wache jetzt auf, wie aus einem schönen Traum. Ich muss langsam packen. Es ist schon die Zeit, sich zu verabschieden und die Zeit auf Tränen. Die Zeit kommt nicht zurück, damit wir das letzte Jahr wieder hätten wiederholen können. Gleich werde ich einen Zug einsteigen und gehen. Das ist schon das ENDE. Ich bin kein kleines, armes Mädchen mehr, das Angst vor dem Leben hat. Ich bin reifer, härter und schwerer zu brechen. Ich kann mit Problemen und Konflikten umgehen und ich weiß wie in schwierigen Situationen reagieren. Trennung und Einsamkeit haben mich stärker gemacht. Jedes nachfolgende Hindernis scheint kleiner und leichter zu überwinden. Ich hinterlasse nun noch ein paar Fragen. Komme ich irgendwann noch hier zurück? Vergisst mich Aachen schnell? Kommt es auf mich an? Kann ich welchen Einfluss darauf haben? Ich weiß es aber eine Sache schon, diese Stadt wird immer in meinem Herzen bleiben und es änderte sich nie! Ich möchte aber nur nicht wissen, wie es weh tut, Aachen zu verlassen…